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Pressemitteilung

Vermeidung unnötiger Umweltbelastung und Gesundheitsgefährdung von Menschen und Tieren durch die Verwendung von bleihaltiger Munition bei der Jagd und im Sportschützenbereich

Antrag von ÖDP-Kreisrat Peter-Michael Schmalz im Kreistag

Angesichts zunehmender Gefahren und Schäden für die Umwelt und die Gesundheit von Menschen und Tieren durch die Verwendung von bleihaltiger Munition, stelle ich den Antrag, dass der Umweltausschuss des Kreistages Kelheim innerhalb seiner Möglichkeiten tätig wird, um einen Beitrag zur Senkung der o. g. Gefahren und Schäden beizutragen. Konkret beantrage ich, dass der Umweltausschuss die nachfolgenden beiden Appelle beschließt um beim Landkreistag wie folgt tätig wird: 1. Der Landkreis Kelheim appelliert an die Jagdausübungsberechtigten und Sportschützen des Landkreises Kelheim, auf die Verwendung von umwelt- und gesundheitsschädlicher, insbesondere bleihaltiger Munition zu verzichten und auf schadstoffarme Munition umzusteigen. 2. Der Landkreis Kelheim appelliert an den Bayerischen Landtag und den Deutschen Bundestag, die Herstellung, den Gebrauch, den Import, sowie den Export umwelt- und gesundheitsschädlicher, insbesondere bleihaltiger Munition zu verbieten. 3. Der Landkreis Kelheim versucht über den Bayerischen Landkreistag, die rechtlichen Voraussetzungen für ein Verbot von umwelt- und gesundheitsschädlicher, insbesondere von bleihaltiger Munition zu schaffen. Begründung: Seit Jahrzehnten fordern führende unabhängige, aber auch staatliche Toxikologen eine Reduzierung des Bleieintrages in die offenen Stoffkreisläufe der Biosphäre. Blei ist ein hochgiftiges Schwermetall und kann zu irreversiblen Schäden im menschlichen und tierischen Organismus führen. Im Menschen reichert sich das Blei durch den Verzehr von mit Bleischrot erlegtem Wild an (mit Bleischrot erlegtes Wild weist durch den Bleiabrieb in den Schusskanälen einen um ein Mehrfaches höheren Bleigehalt auf, wie er beispielsweise bei Rindfleisch toleriert wird). Symptome einer erhöhten Bleibelastung bei Kindern (der Körper kann Blei von sich aus nicht abbauen) sind unter anderem: - Lese- und Lernschwächen - Aussprache und Schreibhandicaps - Allgemein verminderte Intelligenzleistung - Neuralgische Fehler - Verhaltensstörungen - Mentale Verzögerungen - Nierenversagen - Herzversagen

Folgen einer Bleivergiftung (nächst höhere Belastungsstufe) beim Menschen sind direkte Schäden an Organen, am Nervensystem, im Skelett und bei der Blutbildung. Die Schäden bei Tieren, z. B. von Wasservögeln durch die Aufnahme der Schrotkügelchen mit der Nahrung, reichen von Unfruchtbarkeit, der Schwächung des Abwehrsystems bis hin zum frühzeitigen Verenden. Neben einer Reduzierung des Bleieintrages durch Industrie, Gewerbe und Privathaushalte, fordern Toxikologen deshalb einen schnellstmöglichen Stopp der weiteren Verwendung von Blei insbesondere bei der Jagdausübung, aber auch im Sportschützenbereich. Auch die letztgenannte Forderung ist mittlerweile umsetzbar, da praktikable Alternativen am Markt angeboten werden (s. die zahlreichen Firmenkataloge im Jagd- und Sportschützenbereich). In vielen Ländern, z. B. in Dänemark und in den Niederlanden ist mittlerweile die Verwendung von Bleischrot für die gesamte Bejagung verboten. Andere Länder haben in einem ersten Schritt die Benutzung von Bleischrot an Gewässern verboten und wollen demnächst dieses Verbot auch auf die gesamte Jagdausübung ausdehnen (z. B. USA). Weitere Länder (z. B. Australien) beabsichtigen ein generelles Bleischrotverbot (Jagd- und Sportbereich). In Deutschland hat bereits Schleswig-Holstein die Jagd mit Bleischrot an Gewässern verboten, Nordrhein-Westfalen will demnächst nachziehen. Im Jahr 2000 wurden alleine aus der inländischen Produktion in Deutschland ca. 85 Millionen Schrotpatronen verkauft (mit einem Gesamtbleigehalt von ca. 2600 Tonnen). Lediglich 4 Millionen Patronen (5 %) waren Nicht-Bleischrot-Patronen. Jeweils zur Hälfte teilten sich alle Patronen auf den Jagd- und Sportbereich auf. Die Fakten zeigen, dass es höchste Eisenbahn ist, Verantwortung für Mensch und Umwelt zu zeigen und den weiteren Bleieintrag in die offenen Stoffkreisläufe durch ein Verbot der Verwendung von Blei bei der Jagd und im Sportschützenbereich umzusetzen. Ich appelliere an die Kolleginnen und Kollegen des Kreistages, hier eindeutig Flagge mit der Zustimmung zu meinem o. g. Antrag zu zeigen. Ich bitte dabei auch zu bedenken, dass der Landkreis Kelheim auch unmittelbar zur Kasse gebeten werden kann, wenn beispielsweise eine hoch mit Blei belastete Jagd- oder Sportschützenanlage (= "Altlast") saniert werden muss und kein Zustandsverantwortlicher mehr zu den Sanierungskosten herangezogen werden kann.

ÖDP-Erfolg: In seiner Sitzung am 27.11.02 stimmte der Umweltausschuss einstimmig dem ÖDP-Antrag zu und richtete an alle Jäger den Appell, freiwillig bis zu einem gesetzlichen Verbot auf Bleischrot zu verzichten. Weiter wurden die Stimmkreisabgeordneten aller Parteien im bayerischen Landtag und im Bundestag aufgefordert, sich für ein gesetzliches Verbot der Verwendung von Bleischrot an Gewässern einzusetzen.

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