Keine weitere Höchststromtrasse durch den Landkreis Kelheim.

ÖDP-Kreisrat Peter-Michael Schmalz fordert im Kreisausschuss den Verzicht auf eine neue Stromtrasse durch den Landkreis Kelheim und, wenn nicht verhinderbar, dann nur unterirdisch verkabelt und gebündelt mit einer bestehenden Trasse.

Sehr geehrter Herr Landrat Neumeyer,

Lieber Martin,

bezugnehmend auf eine aktuelle Presseberichterstattung der Landkreis-Presse vom Freitag, den 19.10.2018, ist das Thema eines zusätzlichen Höchstspannungslinks (neue Stromtrasse) von Franken nach Niederbayern, quer durch den Landkreis Kelheim, u.a. Thema in den politischen Gremien der Stadt Abensberg und der Gemeinde Kirchdorf. Der Netzbetreiber Tennet wird mit Abstandsforderungen zu Wohngebieten von je 400 m links und rechts der neuen Trasse genannt.

Mein Anliegen: Jetzt wäre ein geeigneter Zeitpunkt für den Landkreis Kelheim, sich dafür einzusetzen, dass durch Energieeinsparung vor Ort (auch durch Effizienzsteigerung), sowie durch eine deutliche Steigerung der dezentralen regenerativen Energieerzeugung mit Generierung der Wertschöpfung in der Region vor Ort zwei Ziele angestrebt werden:

a) Möglichst Vermeidung einer zusätzlichen Stromleitungstrasse

Vermeidung durch die o.g. Maßnahmen und wenn trotzdem eine Erhöhung der Übertragungskapazität nötig ist, dann nur durch Bündelung auf einer Trasse;

b) Vorrang für Verkabelung statt überirdischer Stromtrassen.

Dabei sollten auch bestehende überirdische Trassen an  besonders kritischen Punkten auf jeden Fall in eine Verkabelung umgewandelt werden. Neben etlicher kritischer Nahpunkte in Gemeinden wie Abensberg und Kirchdorf, darf ich auch auf einen besonders neuralgischen Bereich aus Naturschutzsicht aufmerksam machen. Quer über die Donau nördlich von Sittling (Gemeindegebiet Neustadt/Do.) laufen bereits zwei Höchstpannungstrassen von West nach Ost. Sie stellen dabei im im FFH-Gebiet der Donau sowohl für Brutvogelarten mit sehr hohem Gefährdungsgrad (z. B. Rotmilan, Uhu) und auch während des Vogelzugs entlang der Donau im Frühjahr und Herbst für Limikolen gravierende tödliche Hindernisse dar. In der Sitzung des Kreisausschusses vom 24.09.2018 hat der Landkreis Kelheim beschlossen, sich am BayernNetzNatur-Projekt Donautal zwischen Weltenburg und Neustadt als einer der Projektträger aktiv zu beteiligen. Die jetzigen Stromtrassen laufen genau durch das Herz dieses Projekts und auch die geplante ist nach jetzigem Sachstand parallel zu den bestenden Leitungen geplant.

Ich beantrage daher zur nächsten Kreisausschusssitzung, dass sich der Landkreis im Sinne der Anliegen a) und b) dafür einsetzt, dass

> keine weitere Höchstspannungstrasse durch den Landkreis Kelheim geführt wird

> falls es unvermeidlich ist, dass eine neue Leitung kommt, die neue Trasse verkabelt geführt wird und auch die  beiden o.g. bestehenden Höchstspannungsleitungen nachträglich verkabelt werden

> betroffenen Grundstückseigentümern der Verkabelungen ein fairer Nachteilsausgleich gewährt wird.

> in seinem eigenen Wirkungskreis die dezentrale Energieversorung stärker als bisher vorankommt.

Gerade (und auch) in dieser Angelegenheit decken sich Menschen- und Naturschutz zu 100% und sollten dementsprechend mit besonderem Nachdruck umgesetzt werden.

Hinweis: Der Landkreis Kelheim ist als Rechtsperson selbst betroffen, weil

- sein o.g. Projektgebiet Donautal von den Höchstspannungsleitungen (bestehend und geplant) durchquert wird

- und

von der geplanten neuen Leitung auch gemeindefreie Gebiete, für die kraft Gesetz dann der Landkreis als Gemeinde tätig wird, betroffen sein können.

Abgesehen davon gibt es etliche Landkreise, die sich grundsätzlich im Interesse Ihrer Bürgerinnen und Bürger in Form von konkreten Forderungen für die Verkabelung von Höchstspannungsleitungen in ihrem gesamten Hoheitsgebiet im Rahmen der Energiewende einsetzen. Dieses breite Engagement der Bürger und Kommunen hat schon bewirkt, dass etliche neu geplante Leitungen verkabelt und nicht überirdisch geführt werden sollen.

In der Anlage habe ich zwei aktuelle Bilder aus der Donauaue bei Sittlung (FFH-Gebiet) beigefügt. Die Örtlichkeiten der beiden Bilder liegen nur ca. 400 m entlang der Donau auseinander. Auf dem einen Bild sind der Auwald und die Auwiesen mit dem schweren Natur- und Landschaftseingriff durch die beiden bestehenden Stromtrassen, auf dem zweiten die wunderschöne naturnahe Auenlandschaft mit bis zu ca. 200 Jahre alten Bäumen und weitläufigen Auwiesen ohne Stromtrassen zu sehen.

Viele Grüße

Peter-Michael Schmalz
Kreisrat (ÖDP)
ÖDP-Fraktionssprecher


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